Ein Land, wo man nicht weiß, was einem erwartet. Die Flagge Rot-Weiß- Rot verbindet mit Österreich, nur sind auf deren Flagge die Farben senkrecht geteilt. Mein Wissen über das Land Peru in Südamerika war eher dürftig. Mit einer Reise nach Machu Picchu und den Titicacasee wollte ich Anfang des Jahres mehr darüber erfahren. Durch politische Unruhen wurden von den Reisebüros jedoch dorthin keine Reisen angeboten. Mein Abenteuergeist war aber durch einige Lektüren schon geweckt und klar, dass man dorthin nicht wegen eines Strandurlaubes, sondern wegen Geschichte, Kultur und der Menschen reist.
Der Norden Perus ist eines der wichtigsten archäologischen Zentren Südamerikas, wo es Ausgrabungen von prähistorischer Kulturen Jahrtausende vor Christus und der Inka Herrschaft gibt. Die Spanier, welch im Norden vorher die Reiche der Atzteken und Mayas erobert hatten, haben 1532 im Ort Carjamarca, der größten Hochlandstadt in Nord-Peru (2750 m) den letzten Inka-König Atahualpa gefangen genommen und 1533 erdrosselt. Damit endete die Herrschaft der Inka über ein riesiges Gebiet vom heutigen Ecuador bis nach Chile und Argentinien reichend. Interne Auseinandersetzungen begünstigten schließlich die Eroberung durch die Spanier.
Das Land ist voller Kontraste, Gegensätze und geografischer Vielfalt. Es hat mich beeindruckt, dass die 2 500 km lange Küstenlinie am Pazifik eine 20 bis 80 km ins Land reichende wüstenähnliche Landschaft ist. Erst danach beginnt sich die Gebirgskette der Anden zu erheben, welche nach kargen Hochebenen in den Bergregenwald übergehen. Weiter östlich flacht das Land in die Tiefebene des Amazonasgebietes ab, wo der Regenwald 3/5 der Fläche des Landes beträgt. Peru hat viele Klimazonen, dabei ist besonders der El-Nino als Klimaphänomen zu erwähnen, welcher alle 2-7 Jahre mit besonders schweren Folgen im Pazifik auftritt. Ursache ist der vom Süden (Antarktis) kommende Humboldtstrom, der auf die vom Norden kommenden warme Meeresströmungen trifft und in den Pazifik abgelenkt wird. Durch die Änderungen der Luft und Meeresströmungen, kommt es zu Hitzewellen, Überschwemmungen durch Starkregen und Dürren.
Die Rundreise brachte nicht nur geheimnisvolle und rätselhafte Präinkaische Kulturen näher, sondern ein Erleben eines grandiosen Wechsels der Landschaften mit Wüste, oasenhaften Flusstälern, steilen Gebirgspässen und feuchten Nebelwäldern in Hochlagen.
Glücklicherweise waren wir eine angenehm kleine Gruppe, die nur aus fünf Personen bestand. Unser Reiseleiter war auch ein Volltreffer. Ein gebürtiger Bayer und Historiker. Er erklärte uns viel Wissenswertes von der Geschichte und den Kulturen, aber auch interessantes zur Flora und Fauna, sowie den Menschen. Eine gute Portion Sitzfleisch war für die Tour selbstverständlich und entspannte Stunden bei 10 Stunden Tagen eine Fehlanzeige.
Begonnen hat die Reise in Perus Hauptstadt Lima. Die 10 Millionen Stadt am Rio Rimac beginnt mit seiner Gründung im Jahre 1535 durch den spanischen Konquistador Francisco Pizzaro, der 1532 das Inka Reich eroberte. Im historischen Zentrum sind noch viele Prachtbauten aus der Kolonialzeit wie Kathedrale, dem Erzbischofs- und Regierungspalast, Kloster San Francisco. Am freien Nachmittag Erledigungen wie Geldwechsel auf SOL, ca. 4 zu 1 auf den Euro, eine Sim Carte für Peru. Bei den Besichtigungen und Einkäufen muss man berücksichtigen, dass es relativ früh dunkel wird, da die Stadt lediglich 1300 km südlich des Äquators liegt.
Am nächsten Tag fuhren wir von Lima nach Caral, der ältesten Stadt auf dem amerikanischen Kontinent, dann weiter nach Huaraz, Ausgangspunkt für Trekker und Bergsteiger, ins Andenhochland auf 3050 Meter. Nach kalter Nacht ging es noch höher. Nach dem Frühstück fuhren wir zum Nationalpark Huascaran auf fast 4 000 m wo wir eine kleine Wanderung bei einem Bergsee mit tollen Panoramablicken auf die Weisse Kordillere mit vielen Gipfel mit über 6000m machten.
Die Höhe machte mir ziemlich zu schaffen. Jeder Schritt fällt mir Anfangs schwer, leichter Schwindel stellt sich ein und ich fühle mich Müde. Eine Kapsel vom Reiseleiter hilft gegen die Höhenkrankheit, wenn man sie rechtzeitig einnimmt.
Die Gewalt der Natur konnte man im ehemaligen Yungay spüren, einer Ortschaft, die bei einem schweren Erdbeben im Jahr 1970 von einer Eis- und Gerölllawine überrollt und völlig zerstört wurde. Eine Fahrt führte uns nach Chavin de Huantar, dem ehemaligen religiösen Zentrum des Chavinreiches mit Bauwerken aus Granit- und Canterasteinen, berühmten Stelen und dem Lanzon-Obelisken sowie einem mysteriösen, unterirdischen labyrinthartigen Tunnelsystem. In diesem Gebiet erreichten wir mit 4516 Höhenmeter auch die höchste Stelle mit dem Bus.
Von Huaraz ging es über das Anden Gebirge nach Trujillo am Pazifik. Unterwegs besuchten wir die auf geschätzte 3200- 3500 Jahre alte Tempelanlage Sechin und das Max-Uhle-Museum mit eindrucksvoll in Stein geritzte Flachreliefs. In Trujillo gab es wieder volles Programm. Am Morgen besuchten wir den Mondtempel, ein religiöses Zentrum der Moche Zivilisation, anschließend Chan Chan, der größten aus Lehmziegeln errichteten Stadt der Welt des Chimu Imperiums.
Obwohl Trujillo an der Panamericana liegt und die drittgrößte Stadt Perus ist, ist das Stadtzentrum mit den kolonialen Gebäuden und Kirchen sehenswert. Sehr interessant waren das Haus und die Einrichtung welches der Freiheitskämpfer Simon Bolivar 1820 bewohnte. Er gilt als Befreier von der spanischen Kolonialherrschaft, nachdem seine Truppen 1813 in Caracas über die Spanier gesiegt haben. Er kämpfte in Kolumbien, Ecuador und Peru erfolgreich für die Unabhängigkeit. Am Nachmittag waren wir am Strand von Huanchaco um die Binsenboote zu sehen, welche die Fischer auch wie die Vorfahren benutzen.
Auf der Fahrt nach Chiclayo wurde der archäologische Komplex El Brujo mit seiner Seniora de Cao, einer ehemaligen Mocheherrscherin mit prächtigen Grabbeigaben besucht. Chiclayo ist ein wirtschaftlicher Knotenpunkt in Nordperu. Nach einem Besuch des Hexenmarktes fuhren wir zur Ausgrabungsstätte Huaca Rajada, wo die im Museum in Lambayeque ausgestellten Schätze des Herrschers von Sipan gefunden wurden. In der Nähe befinden sich die Tucume-Pyramiden mit dem bemerkenswerten Langtempel „Huaca larga“ dem längsten Lehmziegelbauwerk der Welt (etwa 700 Meter lang), zu deren Bau 140 Mio Adobe-Ziegel verwendet wurden. Der norwegische Abenteurer Thor Heyerdahl, der durch die Kon Tiki berühmt wurde, erforschte auch diese Pyramiden.
Die nächste Etappe war Cocachimba in der Nähe des Goctawasserfalls im Departement Amazonas, wo die Wolkenkrieger der Chachapoyaskultur im Nebelwald lebten. Dort wanderten wir zu den eindrucksvollen und erst 2006 entdeckten Gocta Wasserfall, der mit 771 m der dritthöchste der Welt ist. Nach Reiseunterlage ein leichter 5-Stunden Wanderung (hin und zurück). Dieser war im subtropischen Klima für meine Knie eine Herausforderung. Zum Glück konnte ich für den Rückweg ein Pferd mieten.
In der Nacht gab es durch Regen Erdrutsche und Gerölllawinen und die Zufahrtsstraße - meistens unbefestigte Nebenstraßen- war für den Rückweg gesperrt. Durch Kontakt mit der Polizei und dem zuständigen Ingenieur konnten wir früher die in Räumung befindlichen Stellen passieren und nach Karajia fahren, wo wir in einem Felsen aufgestellt, Lehmsärge (Sarkophage) bestaunten. Von Chachapoyas aus fuhren wir zur Kuelap Festung welche grösser als Machu Picchu ist. Die Chachapoya Festungsanlage befindet sich auf einem 3000 Meter hohen Felsplateau und bedeckt eine Fläche von 7 ha mit 420 kreisförmigen Bauwerken. Sie ist seit 2017 per Seilbahn erreichbar. Leider konnten wir wegen Renovierungsarbeiten nicht viel sehen.
Weitere Höhepunkte gab es nach 2 Stunden Fahrt und Wanderung zu den Mausoleen von Revash, die auf einem Felsenvorsprung hoch auf einer Felswand liegen. Beklemmend war das Mumienmuseum Centro Mallqui in Leymebamba, wo 200 Chachapoyas-Mumien und ihre Grabbeigaben ausgestellt sind. Es wurde unter der damaligen Ministerin Elisabeth Gehrer von Österreich unterstützt, um die Funde von Grabräubern und Vandalen zu retten.
Nach atemberaubender Tagesfahrt über zwei Kordilleren kamen wir auch zur größten Hochlandstadt in Nord-Peru, Carjamarca (2750) m, wo 1532 das Erste Zusammentreffen zwischen den spanischen Konquistadoren und der Inkazivilisation erfolgte und Inka - Geschichte geschrieben wurde. Im Rahmen eines Stadtrundganges wurden die Schönheiten der Stadt und das einzig sichtbare Zeichen des Inka-Imperiums „Cuarto del Rescate“ (Lösegeldzimmer), besichtigt.
Vormittag besichtigten wir in den Bergen noch Cumbemayo wo gewaltige Felsformationen und ein in Felsen gehauenes Aquädukt aus der Chavin-Epoche zu sehen sind. Nach dem Mittagessen wurde noch die Ventanillas de Otuzco eine riesige Grabstätte der Cajamarca-Kultur besucht, bevor wir nach Lima flogen.
Am letzten Tag wurde das beste archäologische Museum in Lima, das Larco Herrera-Museum besucht. Dort sieht man ausgezeichnete Exponate, Keramiken und einen kompletten Überblick über die wichtigsten prähispanischen Zivilisationen in Peru.
Natürlich durfte auf der Reise die Nationalspeise, ein gegrilltes Meerschweinchen und derberühmte Cocktail Pisco Sour nicht fehlen. Insgesamt fuhren wir dank dem umsichtigen Fahrer unfallfrei mit dem Kleinbus 2 500 km und 130 km wurden zu Fuß zurückgelegt, hauptsächlich in Höhenlagen zwischen 2 000 und 3 000 m.
Es gibt in Peru auch eine neue Heimat der Tiroler. Tiroler Auswanderer siedelten sich 1859 im peruanischen Urwald nieder, weil der Staat Peru dort Grundstücke zur Verfügung gestellt hat. Die Hinreise zu den besagten Grundstücken in Pozuzo dauerte aber zwei Jahre. Viele Auswanderer sind auf der beschwerlichen Reise ums Leben gekommen. Bis heute wird in diesem Siedlungsgebiet, in der Selva Control, der Tiroler Dialekt, die traditionelle Küche und Brauchtum gepflegt.
Tief beeindruckt bin ich von der Policia National del Peru (PNP). Sie ist zuständig für die Sicherheit am Land, Luft und in der See. Die PNP entstand 1988 aus dem Zusammenschluss der Kriminal- und Sicherheitspolizei, sowie der Republikanischen Garde. Neben dem normalen Polizeidienst gibt es eine Reihe spezieller Einheiten wie Spezialeinsätze, Antidrogen, Kriminalpolizei, Antiterror und Touristenpolizei. Der Frauenanteil ist etwa gleich hoch wie bei den Männern, bei der Touristenpolizei ist der Frauenanteil höher.
Die PNP überraschte mich mit ihrer außergewöhnlichen Betreuung und Hilfsbereitschaft. Sie begleitete unsere Reisegruppe von der Ankunft am Flughafen zu den Hotels, während der Tour teilweise von Ort zu Ort sowie bei allen Ausflügen und Besichtigungen bis zum Abflug. Dazu muss ich berichten, dass ich vor meiner Reise Kontakt mit der IPA Peru aufgenommen habe.
Der IPA-Präsident von Peru, Colonel Alejandro Manuel besuchte mich am ersten Tag im Hotel in Lima. Wir tauschten Gastgeschenke aus und haben uns mittels Handys mit dem Sprachübersetzungsprogramm sehr gut unterhalten.
Karl Mitsche

